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High Tech-Medizin am Beispiel der Neurochirurgie

Öffentlicher Vortrag

Referent: Univ. Prof. Dr. Andreas Gruber

Nur wenige Bereiche der Humanmedizin stehen in so enger Abhängigkeit zur Medizintechnik und deren Fortschritt wie die Neurochirurgie. Neben neuroanatomischem Wissen und chirurgisch technischer Fertigkeit ist die Ausnutzung der ständig wachsenden Möglichkeiten der Medizintechnik für erfolgreiche Operationen an Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule von größter Bedeutung.

Die Resektion hirneigener Tumore folgt einer fein abgestimmten Choreographie aus präoperativer Diagnostik, intraoperativem Monitoring und der eigentlichen Tumorchirurgie. Die bildgebenden Informationen werden in Neuronavigationssysteme, dem GPS der Navigationssysteme in Autos vergleichbar aber im Millimeterbereich arbeitend, eingespielt und stehen dem Operateur während der Operation zur Orientierung im Gehirn zur Verfügung. Es können dafür nicht nur anatomische, sondern auch funktionelle Daten verwendet werden. Die „Landkarte“ des Operateurs umfasst neben der reinen Anatomie dadurch auch Informationen über die Lage funktioneller Zentren im Gehirn [Sprache, Bewegung] und über die Tumorbiologie. Bei dieser sogenannten „image fusion“ werden anatomische MRI und CT Daten mit den Informationen des funktionellen MRIs und nuklearmedizinsicher Untersuchungen verbunden und die Operation danach ausgerichtet. Zusätzlich können die Grenzen bestimmter Tumore durch Substanzen dargestellt werden, welche den Patienten Stunden vor der Operation verabreicht werden. Diese lagern sich selektiv in den Tumorzellen ein, leuchten unter Fluoreszenzlicht einer bestimmten Wellenlänge, welche vom Operationsmikroskop ausgesendet werden kann, und markieren damit die Grenze zwischen Hirn- und Tumorgewebe.

Außerdem kann an der Univ. Klinik für Neurochirurgie am Kepler Universitätsklinikum Linz während des Eingriffs der Operationsfortschritt im intraoperativen MRI kontrolliert werden, d.h. es kann das Ausmaß der Tumorresektion vor Abschluss des Eingriffs bildgebend dargestellt und die Operation nötigenfalls bis zum angestrebten Ergebnis fortgesetzt werden. Zusätzlich können während der Operation wichtige Hirnfunktionen, insbesondere jene der Motorik, durch elektrische Stimulation überwacht und so geschont werden. Dieses sogenannte intraoperative Neuromonitoring erfordert eine besonders intensive Zusammenarbeit aller an der Operation beteiligten Berufsgruppen, um diese Informationen zeitnahe zu verarbeiten und den Operationsablauf darauf abstimmen zu können. Da manche höheren Hirnfunktionen, insbesondere die Sprache, nicht durch die genannten elektrophysiologischen Messungen überwacht werden können, ist es in seltenen Fällen erforderlich, die Resektion von Tumoren im Bereich der Sprachzentren am wachen Patienten durchzuführen. Dabei wachen die Patienten während des Eingriffes unter kontrollierten Bedingungen auf und absolvieren während der fortschreitenden Tumorresektion unterschiedliche sprachliche Paradigmen, um die Unversehrtheit der Sprache überwachen zu können.

Bei der Operation komplexer blutungsbereiter Hirngefäßerkrankungen, wie beispielsweise Aneurysmen oder Angiome, findet der erste rein neurochirurgische Hybrid Operationssaal Österreichs, welcher an der Univ. Klinik für Neurochirurgie am Kepler Universitätsklinikum Linz im Jahr 2020 in Betrieb genommen wurde, Verwendung. Dabei kann während der Operation eine Darstellung der Hirngefäße in höchster Qualität erfolgen, was zur Vermeidung postoperativer Schlaganfälle von größter Bedeutung ist. Im Bereich der Rückenmarks- und Wirbelsäulenchirurgie ist eine der Gehirnchirurgie vergleichbare Technik zur intraoperativen Bildgebung und Navigation verfügbar. Gleichzeitig kann dadurch die Invasivität komplexer Stabilisierungsoperationen an der Wirbelsäule in bisher ungeahnter Weise reduziert und damit diese Eingriffe ungleich schonender durchgeführt werden. An der Univ. Klinik für Neurochirurgie in Linz wurden bisher mehr als 1000 solcher Eingriffe mit dieser Technologie [O-Arm] mit überzeugendem Erfolg durchgeführt.

Es steht außer Zweifel, dass die moderne Neurochirurgie ohne die genannten medizintechnischen Errungenschaften nicht – bzw. nicht mit dieser beeindruckenden Eingriffssicherheit – denkbar wäre.

Eintritt: Freiwillige Spende


Referent: Univ. Prof. Dr. Andreas Gruber (Vorstand der Univ.-Klinik f. Neurochirurgie, Neuromed Campus, Kepler Universitätsklinikum)

Datum: Dienstag, 6. Juli 2021 / 19.00 Uhr

Musik: Franziska Karner (Mitglied des Blockflötentrios "b.hertzt"

 

Gefördert vom Land OÖ

Alles auf einen Blick

Datum, Uhrzeit 06.07.2021, 19:00
Anmeldeschluss 05. 07. 2021
Veranstaltungsort Klostersaal Traunkirchen
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Standort

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Akademie Traunkirchen
Klosterplatz 2
4801 Traunkirchen
Austria

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